Drei Parteien in einem Logo
Was passiert, wenn die AfD regiert – und warum das auch Protestwähler interessieren sollte
Dieser Text richtet sich nicht an Leute, die die AfD sowieso ablehnen. Er richtet sich an alle, die ernsthaft überlegen, ihr eine Stimme zu geben. Weil die Migrationspolitik gescheitert ist. Weil die Energiewende ruinös war. Weil die etablierten Parteien nicht mehr zuhören.
Diese Kritik ist berechtigt.
Die Frage ist nur: Ist die AfD die Lösung – oder macht sie alles schlimmer?
Die ehrliche Antwort: Die AfD ist keine geschlossene Partei mit einem klaren Programm. Sie ist ein Bündnis aus drei Lagern, die in den wichtigsten Fragen völlig Gegensätzliches wollen. Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Das eigentliche Problem ist, wer den stärksten Flügel dieser Partei dominiert – und was dieser Mann wirklich will, wenn man seine Worte ernst nimmt.
Und dann ist da das Russland-Problem. Während Russland bereits Sabotageakte auf deutschem Boden verübt, sammelt diese Partei systematisch Informationen über unsere Schwachstellen. Mehr als 7.000 Anfragen. Militärtransporte. Stromnetze. Sicherheitslücken. Ohne je einen Antrag zu stellen, wie man sie schließt. Das ist kein Zufall. Das ist eine Landkarte für einen Angriff.
I. Weidel und Chrupalla: Die zwei anderen Gesichter
Bevor wir zum eigentlichen Problem kommen, kurz zu den anderen beiden Spitzenfiguren – denn sie zeigen, wie zerrissen diese Partei ist.
Alice Weidel arbeitete bei Goldman Sachs und Allianz Global Investors. Bis 2021 war sie Mitglied der Hayek-Gesellschaft, einer Vereinigung für radikale Privatisierung und minimalen Staat. Im Januar 2025 nannte sie die AfD im Gespräch mit Elon Musk „libertär und konservativ”. Weidels Flügel will niedrige Steuern, weniger Sozialstaat, Deregulierung – das genaue Gegenteil dessen, was der andere starke Flügel der Partei will.
Tino Chrupalla, Co-Parteichef, nannte Selenskyj einen „Bettelpräsidenten”. Ende 2024 forderte er, Deutschland solle „anerkennen, dass Russland den Krieg in der Ukraine gewonnen habe”. 2023 feierte Chrupalla den „Tag des Sieges” in der russischen Botschaft – den 9. Mai, der für Millionen Deutsche der Tag ist, an dem das Sterben anfing: Vertreibung, Massenvergewaltigungen, Deportation. Dass ein deutscher Politiker diesen Tag in der russischen Botschaft feiert, ist eine Ohrfeige für jeden, dessen Familie diese Geschichte kennt.
Weidel und Chrupalla wären in jeder normalen Partei schon Grund genug für Konflikte. Aber sie sind nicht das Hauptproblem.
II. Björn Höcke: Was passiert, wenn man eins und eins zusammenzählt
Björn Höckes „Flügel” wurde vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch” eingestuft – bestätigt vom Bundesverwaltungsgericht im Mai 2025. Der Flügel wurde formal aufgelöst, aber seine Leute blieben: 2024 wurden etwa 60 Prozent der Delegierten und zwei Drittel des Bundesvorstands diesem Lager zugerechnet. Das ist keine Randgruppe. Das ist die Mehrheit der Partei.
Aber was will Höcke eigentlich? Die Antwort findet man, wenn man seine Worte zusammenlegt – die öffentlichen und die, die er unter Pseudonym geschrieben hat.
Höcke verwendet den Begriff „organische Marktwirtschaft”. Der Begriff findet sich außer bei ihm nur an zwei Stellen: in einem Text von 1936, der die NS-Wirtschaft beschreibt – und in der NPD-Zeitschrift „Eichsfeld-Stimme”, geschrieben von einem „Landolf Ladig”. Der Verfassungsschutz stellt fest: Höcke ist „nahezu mit Gewissheit” identisch mit diesem „Landolf Ladig”. Er schrieb 2011 und 2012 in NPD-Blättern, herausgegeben von Thorsten Heise, dem stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden, der sechs Kilometer von Höckes Wohnhaus entfernt lebt.
Was stand in diesen Texten? Dass „nicht die Aggressivität der Deutschen ursächlich für zwei Weltkriege war”, sondern „ihr Fleiß, ihre Formliebe und ihr Ideenreichtum”. Dass die anderen Mächte „gezwungen” gewesen seien, „zwei ökonomische Präventivkriege gegen das Deutsche Reich zu führen”. Mit anderen Worten: Deutschland war das Opfer. Der Zweite Weltkrieg war ein Verteidigungskrieg. Das ist die Propagandalüge, mit der das NS-Regime seinen Angriffskrieg rechtfertigte – und Höcke hat sie unter Pseudonym verbreitet.
Ein ehemaliger Schüler bestätigte: Höcke lobte als Geschichtslehrer im Unterricht Hitler und beschrieb dessen „unglaublich blaue Augen” als Teil des Führerkults. Er behandelte die NS-Zeit auffällig kurz und trug einen Mjölnir-Anhänger – ein Symbol, das in rechtsextremen Kreisen beliebt ist. 2017 nannte er das Holocaust-Mahnmal ein „Denkmal der Schande” und forderte eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad”. 2024 wurde er rechtskräftig verurteilt, weil er die SA-Parole „Alles für Deutschland” verwendete. Als promovierter Geschichtslehrer behauptete er, nicht gewusst zu haben, dass die Parole verboten ist. Das Gericht glaubte ihm nicht.
Das ist die eine Seite: Ein Mann, der Hitler lobt, NS-Propaganda verbreitet, SA-Parolen verwendet, das Holocaust-Mahnmal verunglimpft.
Jetzt die andere Seite.
In seinem Buch schreibt Höcke von einem „großangelegten Remigrationsprojekt”, bei dem sich „menschliche Härten und unschöne Szenen nicht immer vermeiden lassen”. Die neue politische Führung werde „Maßnahmen ergreifen müssen, die ihrem eigenen moralischen Empfinden zuwiderlaufen”. Dafür sei „wohltemperierte Grausamkeit” nötig.
Lest das noch einmal. „Grausamkeit.” „Maßnahmen, die dem moralischen Empfinden zuwiderlaufen.” „Menschliche Härten.”
Das ist nicht die Sprache von Abschiebungen nach geltendem Recht. Abschiebungen sind ein bürokratischer Vorgang – unangenehm, aber legal. Niemand, der Abschiebungen meint, spricht von „Grausamkeit” und „moralisch verwerflichen Maßnahmen”.
Jetzt zählt eins und eins zusammen.
Auf der einen Seite: Ein Mann, der Hitler lobt. Der den Zweiten Weltkrieg als „Präventivkrieg” gegen Deutschland bezeichnet. Der das Holocaust-Mahnmal ein „Denkmal der Schande” nennt. Der SA-Parolen verwendet.
Auf der anderen Seite: Derselbe Mann spricht von „Grausamkeit” gegen Millionen Menschen. Von „Maßnahmen, die dem moralischen Empfinden zuwiderlaufen”. Von „menschlichen Härten” und „unschönen Szenen”, die „unvermeidbar” seien.
Was ergibt das für ein Bild?
Das ist nicht Abschiebung. Das ist Internierung. Das ist Massengewalt. Das sind Lager.
Höcke spricht nicht von Menschen ohne Aufenthaltsrecht. Er spricht von „kulturfremden” Menschen und „Volksteilen”, die nicht zur nationalen Gemeinschaft gehören. Das betrifft Eingebürgerte. Hier Geborene. Deutsche mit dem falschen Namen oder der falschen Herkunft.
Wenn ein Mann, der Hitler lobt und den Holocaust relativiert, von „Grausamkeit” gegen Millionen Menschen spricht – dann ist die Schlussfolgerung unausweichlich. Das Wort, das niemand aussprechen will, aber das im Raum steht: Dieser Mann plant nicht Abschiebungen. Er plant etwas, das wir aus den Geschichtsbüchern kennen. Etwas, von dem wir gesagt haben: Nie wieder.
Die Frage an jeden, der mit der AfD sympathisiert: Ist das eure Partei? Ist das euer Flügel? Wollt ihr, dass dieser Mann und seine Leute entscheiden, wer in diesem Land bleiben darf – und was mit denen passiert, die gehen sollen?
III. Das Russland-Problem: Namen, Geldflüsse, Ermittlungen
AfD-Politiker gehen im Kreml ein und aus. Das ist keine Übertreibung. Es ist dokumentiert.
Im Mai 2024 leitete die Generalstaatsanwaltschaft München ein Ermittlungsverfahren gegen Petr Bystron ein, damals Listenplatz 2 für die Europawahl. Der Verdacht: Bestechlichkeit und Geldwäsche. Bystron soll über das Netzwerk „Voice of Europe” mindestens 34.000 Euro vom Putin-Vertrauten Viktor Medwedtschuk erhalten haben. Tonaufnahmen tschechischer Geheimdienste sollen belegen, wie Bystron in Medwedtschuks Auto Bargeld zählte. Bei Durchsuchungen stellten Ermittler kistenweise Material sicher – in Bystrons Bundestagsbüro, in Immobilien in Bayern und auf Mallorca. Im Mai 2025 hob das EU-Parlament seine Immunität auf.
Der Spitzenkandidat für die Europawahl 2024, Maximilian Krah, beschäftigte einen Mitarbeiter, der im April 2024 wegen Spionage für China verhaftet wurde – obwohl der Verdacht gegen den Mann seit einem Jahr öffentlich bekannt war. Krah selbst wurde vom FBI zu seinen russischen Netzwerken befragt. Er und Bystron brachten nachweislich mindestens einen weiteren mutmaßlichen russischen Spion in den Bundestag und ins EU-Parlament.
Die Reisen sind dokumentiert: März 2024 als „Wahlbeobachter” zur russischen Präsidentschaftswahl, wo eine AfD-Abgeordnete im russischen Fernsehen den „fairen Ablauf” lobte, bevor sie nach Russland auswanderte. Juni 2024 in Kaliningrad mit deutsch-russischen Fahnen. September 2024 beim Treffen mit Putins Stellvertreter Medwedew. September 2025, als ein Hamburger AfD-Abgeordneter in St. Petersburg ein internationales Neonazi-Bündnis gründete. November 2025, als einem ehemaligen AfD-Mitarbeiter wegen russischer Kontakte der Hausausweis für den Bundestag verweigert wurde.
Das ist kein Zufall. Das ist systematisch.
IV. 7.000 Anfragen: Eine Landkarte für den Angriff
Jetzt zum gefährlichsten Teil. Der Teil, den die wenigsten kennen – und der jeden alarmieren sollte, der sich Sorgen um die Sicherheit dieses Landes macht.
Eine SPIEGEL-Analyse vom November 2025 zeigt: Die AfD hat seit 2020 in deutschen Landesparlamenten mehr als 7.000 parlamentarische Anfragen mit sicherheitsrelevantem Bezug gestellt. Mehr als jede andere Partei. Mehr als alle anderen Parteien zusammen in vielen Bereichen.
7.000 Anfragen. Das ist keine Zahl, die man überlesen sollte. Das ist eine systematische Kampagne.
Was wollten sie wissen? Routen von Militärtransporten in die Ukraine – wo sie fahren, wo sie halten, wie sie gesichert sind. Technische Details der Drohnenabwehr. Standorte und Kapazitäten von Bundeswehr-Logistik. Welche Kraftwerke bei einem Blackout den Schwarzstart ermöglichen können. Welche Behörden welche IT-Sicherheitsstandards erfüllen – und welche nicht. Sicherungsmaßnahmen der Polizei bei kritischer Infrastruktur. Allein in Thüringen stellte die AfD binnen eines Jahres 47 detaillierte Anfragen zu Militärtransporten. Der AfD-Abgeordnete Ringo Mühlmann: mehr als 200 sicherheitsrelevante Anfragen seit 2020 – von einem einzigen Mann.
Normalerweise fragt eine Oppositionspartei nach Schwachstellen, um dann Anträge zu stellen, wie man sie beheben kann. Das ist parlamentarische Kontrolle. Das ist legitim.
Die AfD stellt keine solchen Anträge. Sie sammelt nur. Anfrage um Anfrage. Jahr für Jahr. Tausende von Datenpunkten über die verwundbarsten Stellen dieses Landes.
Thüringens Innenminister Georg Maier sagte: „Mir drängt sich der Eindruck auf, dass die AfD mit ihren Anfragen eine Auftragsliste des Kreml abarbeitet.”
Das klingt hart. Aber schaut euch den Kontext an.
Russland greift Deutschland bereits an. Das ist keine Übertreibung. Das ist dokumentierte Realität.
Im Juli 2024 explodierte ein Paket im DHL-Zentrum Leipzig. Laut Verfassungsschutzchef Thomas Haldenwang entging Deutschland „nur knapp einem Flugzeugabsturz” – der Brandsatz zündete auf dem Boden statt im Flugzeug. Ermittlungen zeigen: Drei Männer sollten im Auftrag russischer Stellen Paketbomben verschicken. 2024 und 2025 gab es Brandanschläge auf Strommasten in Berlin – zehntausende Haushalte tagelang ohne Strom. Die Täter wickelten Stahlketten um die Kabel, um maximalen Schaden anzurichten. Auf deutschen Marineschiffen: Metallspäne in Antrieben, Öl im Trinkwassersystem, durchtrennte Kabelbäume. Drohnen über Militärgeländen und Industrieanlagen, gegen Störsignale geschützt – Fachleute sprechen von „Gefechtsfeldvorbereitung”. Im Mai 2025 wurden drei mutmaßliche Saboteure festgenommen, die im Auftrag Russlands Sprengstoffanschläge auf Militärtransporte planten.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt: „Es besteht eine erhöhte Gefährdung in Bezug auf Sabotageaktivitäten in Deutschland.”
Russland führt bereits einen hybriden Krieg gegen Deutschland. Brandanschläge. Sabotage. Spionage. Cyberangriffe. Und gleichzeitig sammelt eine Partei, deren Führungspersonal in Ermittlungsverfahren wegen russischer Geldflüsse steckt, deren Abgeordnete im Kreml ein- und ausgehen, systematisch Informationen über genau die Infrastruktur, die Russland angreift.
7.000 Anfragen. Militärtransporte. Stromnetze. Sicherheitslücken. Keine Anträge zur Behebung.
Das ist keine parlamentarische Kontrolle. Das ist Aufklärung. Das ist das, was ein Militär tut, bevor es angreift: Karten zeichnen. Schwachstellen markieren. Routen identifizieren.
Wenn diese Informationen an die falschen Stellen gelangen – und bei einer Partei mit dokumentierten Kreml-Kontakten ist das keine theoretische Sorge –, dann hat die AfD geholfen, den Angriffsplan auf Deutschland zu vervollständigen. Nicht irgendwann. Jetzt. Während ihr das lest.
Das ist keine Frage von links oder rechts. Das ist eine Frage der nationalen Sicherheit. Eine Partei mit Verbindungen zu einem feindlichen Staat sammelt systematisch Informationen über unsere Schwachstellen, während dieser Staat uns bereits angreift.
Wie nennt man das?
V. Warum die AfD in einer Regierung scheitern würde
Selbst wenn man all das ausblendet – die Hitler-Verehrung, die Kreml-Kontakte, die 7.000 Anfragen –, bleibt ein simples Problem: Diese Partei kann nicht regieren, weil sie sich in jeder wichtigen Frage selbst widerspricht.
Am Kabinettstisch säßen Leute, die niedrige Steuern und schlanken Staat wollen, neben Leuten, die einen starken nationalen Sozialstaat wollen. Weidel gegen Höcke. Hayek gegen völkische Wirtschaft. Beim ersten Haushalt fliegt alles auseinander.
In der Außenpolitik säße Rüdiger Lucassen, Oberst a.D., der die NATO stärken will, neben Höcke und Chrupalla, die Russland als Partner sehen. Lucassen nannte Chrupallas Position zu Polen schon „abstrus”. Bei der ersten Abstimmung über NATO-Verpflichtungen bricht der Konflikt auf.
Welcher NATO-Partner teilt noch Geheimdienstinformationen mit Deutschland, wenn AfD-Politiker in Regierungsverantwortung sitzen? Polen würde die Kooperation einschränken. Die baltischen Staaten. Skandinavien. Deutschland wäre über Nacht ein Sicherheitsrisiko für das westliche Bündnis.
Die AfD hat jeden großen Konflikt durch Spaltung „gelöst”: Lucke 2015, Petry 2017, Meuthen 2022. Jedes Mal rückte die Partei weiter nach rechts. Eine Regierungsbeteiligung würde das beschleunigen.
VI. Die ehrliche Frage
Ja, es gibt gute Gründe, unzufrieden zu sein. Die Migrationspolitik war naiv. Die Energiewende war teuer. Der Staat ist oft langsam.
Aber ist euer Protest das wert?
Ist er es wert, eine Partei zu stärken, deren prominentester Ideologe Hitler lobt, SA-Parolen verwendet und von „Grausamkeit” gegen Millionen Menschen spricht – in Worten, die nicht auf Abschiebung hindeuten, sondern auf etwas viel Dunkleres?
Ist er es wert, eine Partei zu stärken, deren Führungspersonal im Kreml ein- und ausgeht, gegen die wegen russischer Geldflüsse ermittelt wird, und die systematisch 7.000 Anfragen zu den Schwachstellen dieses Landes gestellt hat – während Russland genau diese Schwachstellen angreift?
Das ist keine Alternative. Das ist ein Sicherheitsrisiko. Ein Verfassungsrisiko. Ein Risiko für alles, was dieses Land seit 1945 aufgebaut hat.
Wenn das Ziel ist, dass sich etwas ändert, gibt es einen besseren Weg: Druck auf die Parteien, die tatsächlich regieren können. Die CDU hat vieles falsch gemacht. Aber sie kann Mehrheiten bilden. Sie kann etwas verändern.
Die AfD kann das nicht. Und im schlimmsten Fall reißt sie Deutschland mit in den Abgrund.
Tut euch den Gefallen. Denkt es zu Ende.

